Ich habe bereits zwei positive Geburtserfahrungen in verschiedenen Krankenhäusern gemacht. Gleichzeitig hatte ich im Freundeskreis auch einige Geburtsberichte gehört, die mir Angst machten. Deshalb war mir bei der Geburt meines dritten Kindes besonders wichtig, diesen Moment bewusst, selbstbestimmt und positiv zu erleben. Trotz kleinerer Zweifel meines Mannes entschied ich mich für eine Geburt im Geburtshaus Ulm.
Los ging es nachts gegen 3 Uhr. Ich lag im Bett, als ich plötzlich ein lautes Knacken hörte – die Fruchtblase war geplatzt. Etwa 15 Minuten später rief ich meine Hebamme an, um das weitere Vorgehen zu besprechen. Sie blieb völlig ruhig, sprach mir gut zu und stellte einige Fragen, um die Situation besser einschätzen zu können. Wir vereinbarten, dass ich mich am Morgen noch einmal melden sollte. Schon kurz nach dem Telefonat war mir klar, dass es vermutlich schneller gehen würde. Gegen 5 Uhr riefen wir erneut an und machten uns auf den Weg.
Wie besprochen parkten wir direkt vor dem Eingang und wurden dort von zwei diensthabenden Hebammen und einer Hebammenschülerin empfangen. Zu meiner großen Freude war eine der Hebammen Sabine, die mich bereits in der Vor- und Nachsorge begleitet hatte. Ich wurde in das schön vorbereitete Zimmer geführt, und meinem Mann und mir wurde direkt ein Kaffee angeboten. Ich machte es mir auf dem Bett gemütlich. Die Atmosphäre war entspannt, herzlich und ungezwungen. Alle freuten sich mit uns, dass die Geburt begonnen hatte. Sabine schlug vor, nach dem Muttermund zu schauen, und fragte zuerst, ob das für mich in Ordnung sei. Verena, die zweite Hebamme, kontrollierte regelmäßig die Herztöne unseres Babys. Die Geburt schritt rasch voran. Schon bald zog es mich an die Sprossenwand. Sabine und Verena gaben hier und da kleine Impulse und unterstützten mich unaufdringlich durch die Wehen. Auch mein Mann wurde angeleitet und aktiv eingebunden. Das war für uns eine neue und wunderschöne Erfahrung. Er war nicht nur Zuschauer, sondern mittendrin.
Als es in der Hocke irgendwann nicht weiterzugehen schien, sollte ich einige Wehen in Seitenlage veratmen, damit sich das Baby besser positionieren konnte. Diese Position war ziemlich unangenehm. Aber statt die Wehenkraft einfach nur auszuhalten, konnte ich aktiv mitarbeiten. Ich stemmte mein Bein gegen Sabine und zog gemeinsam mit Verena an einem Tuch. So konnte ich die enorme Kraft der Wehen gezielt einsetzen, anstatt sie ins Leere laufen zu lassen. In diesem Moment wurde mir besonders bewusst, wie wertvoll die Begleitung der Hebammen war. Sie ließen mich nicht einfach in einer Position zurück, sondern unterstützten mich ganz gezielt und mit vollem Körpereinsatz dabei, die Kraft der Wehen sinnvoll zu nutzen. Man merkte, dass sie genau wussten, was sie taten: Es ging nicht nur darum, den Schmerz wegzuatmen oder zu ertragen, sondern die Energie, die in jeder Wehe steckt, in Kraft umzuwandeln und für die Geburt zu nutzen. Für mich machte das einen großen Unterschied. Ich hatte das Gefühl, mit meinem Körper zu arbeiten, statt nur gegen den Schmerz anzukämpfen. Von meinen vorherigen Geburten kannte ich dieses Gefühl nicht. Dort hatte ich deutlich weniger Möglichkeiten, die Kraft der Wehen so aktiv einzusetzen.
Nach einigen Wehen in dieser Position, sollte ich noch einmal zurück in die Hocke wechseln, weil unser kleiner Junge offenbar mehr Schwerkraft benötigte. Angst hatte ich keine. Ich vertraute den Hebammen vollkommen. Ich hatte jederzeit das Gefühl, in guten Händen zu sein, und war sicher, dass Sabine noch eine Idee haben würde, falls wir eine brauchten. Verena stützte mich von hinten unter den Armen, denn inzwischen war ich ziemlich erschöpft. Die Wehen waren deutlich schmerzhafter, als ich sie mir vorgestellt und in Erinnerung hatte. Doch diese Position erwies sich als genau die richtige Entscheidung: Nach wenigen weiteren Wehen war unser Sohn geboren.
Wie sich herausstellte, hatte er die Nabelschnur dreimal um den Hals gewickelt. Sabine und Verena bewahrten die Ruhe und handelten souverän. Kurz darauf hielt ich mein Baby in den Armen und konnte es direkt stillen. Wir hatten viel Zeit zum Kuscheln zu dritt. Inzwischen war es 9 Uhr morgens. Das Licht war angenehm gedimmt, die Stimmung ruhig und friedlich. Bei der ersten Untersuchung unseres Sohnes wurde mir schnell klar, warum diese Geburt körperlich deutlich anspruchsvoller gewesen war als die ersten beiden: 4.600 Gramm Geburtsgewicht und 39 Zentimeter Kopfumfang. Mit diesen Maßen hat unser Sohn jedenfalls von Anfang an klargemacht, dass er nicht zu den Leichtgewichten gehört.
Rückblickend bin ich beeindruckt, mit welcher Ruhe, Erfahrung und Kompetenz die Hebammen auch in den herausfordernden Momenten gehandelt haben. Besonders berührt hat mich eine Situation kurz nach der Geburt. Sabine fragte mich, ob sie nachsehen dürfe, ob eine Geburtsverletzung vorlag. Sie erklärte mir, dass eine Untersuchung und gegebenenfalls eine Versorgung direkt nach der Geburt meist weniger schmerzhaft seien, dass wir aber genauso gut später danach schauen könnten, wenn ich das lieber möchte. Bei meinen vorherigen Geburten war ich weder gefragt worden noch hatte mir jemand erklärt, warum ein früher Zeitpunkt sinnvoll sein kann. Diese Selbstverständlichkeit, mit der mir die Entscheidung überlassen wurde, gab mir in einem sehr verletzlichen Moment ein Gefühl von Würde, Respekt und Selbstbestimmung.
Zum Glück musste nichts genäht werden, was ich auch der achtsamen und kompetenten Geburtsbegleitung zuschreibe. Bereits vier bis fünf Stunden nach der Geburt konnten wir nach Hause gehen. Als wir das Geburtshaus mit unserem Sohn wieder verließen, konnte ich kaum glauben, dass zwischen dem ersten Knacken der Fruchtblase und diesem Moment nur wenige Stunden lagen. In der ersten Woche besuchte uns Sabine täglich. Sie hatte immer ein offenes Ohr, wirkte nie gehetzt und begegnete uns mit einer Herzlichkeit, die man sich für jede Familie wünschen würde. Für jede Frage hatte sie einen Rat, für jede Unsicherheit die passenden Worte.
Ich wünsche jeder werdenden Mutter eine so kompetente, engagierte und liebevolle Hebamme an ihrer Seite. Heute haben wir ein zufriedenes Baby, das einen wunderbaren Start ins Leben hatte. Wenn ich an diese Geburt zurückdenke, empfinde ich vor allem eines: große Dankbarkeit.
Was für ein Geschenk.

