Geburtsbericht | Anna und Nick, Januar 2026

25.03.2026

An ET+8 hatte ich morgens zum ersten Mal untertags eine leichte Wehe. Ab Mittag hatte ich schon regelmäßig ca. einmal pro Stunde leichte nicht schmerzhafte Wehen. Am frühen Nachmittag wurde die Wehen intensiver und folgten schneller aufeinander. Jetzt waren wir uns sicher, dass ich in der Latenzphase war. Die Wehen konnte ich zuerst noch im Sitzen oder Liegen gut aushalten, später ging das nur noch im Stehen. Gegen 18 Uhr waren die Wehen so schmerzhaft, dass ich anfing zu tönen. Nick hat anfangs mitgemacht, das nahm mir die Hemmung und ich fand gut in den neuen Modus. Die Wehen wurden immer heftiger und waren bald im 3-5 min Abstand. Oft hatte ich auch zwischen den Wehen Schmerzen, sodass ich nicht wusste, wo die eine Wehe aufhörte und die nächste anfing. Die Zeit verstrich unglaublich langsam. Wir riefen die Rufbereitschaftsnummer an. Paula ging ran, ermutigte mich, solange zuhause zu bleiben, wie ich mich wohl fühlte und heiß zu duschen (wir haben leider keine Badewanne). Das tat ich, bis das Stehen in der Dusche ohne guten Haltegriff zu anstrengend wurde und es machte die Wehen erträglicher. Ich konnte schon lange nichts mehr essen, aber Nick hat sich noch eine Pizza bestellt, damit er gut durch die Nacht kommt. Wir wussten schließlich nicht, wie lange die Geburt noch dauern würde. Allerdings war ich bald so erschöpft von den intensiven Wehen, dass ich mich fragte, ob ich das wohl überhaupt schaffen könnte. Wir riefen wieder die Rufbereitschaftsnummer an. Ines hatte Dienst. Ich ließ über Nick ausrichten, dass ich jetzt ins Geburtshaus wollte, auch weil ich zunehmend Angst vor dem Sitzen während der Autofahrt hatte. Wir vereinbarten, uns in einer guten Stunde dort zu treffen. Zum Glück hatte ich während der Fahrt nur wenige Wehen.

Gegen 22:30 im Geburtshaus angekommen, begrüßte uns Ines mit Ruhe und Herzlichkeit und ich fühlte mich sofort wieder optimistischer. Ines hatte den Geburtsraum mit Lichterkette und Kerzen einladend und gemütlich vorbereitet, sodass wir uns sehr wohlfühlten. Während Nick unsere Taschen aus dem Auto holte, legte ich mich ins Bett. Bald fragte ich nach Buscopan und bekam ein Zäpfchen, das ich mir selbst verabreichte. Anschließend beschlossen wir, dass Ines den Muttermund untersucht. Er war schon 2 cm offen, das hat uns sehr erleichtert. Ich wollte dann in die Wanne, wo ich mich durch das warme Wasser etwas erholen konnte. Ines bot mir ein krampflösendes homöopathisches Mittel an, das ich gerne annahm. Außerdem zeigte sie Nick, wie er mich am unteren Rücken massieren kann, um dort die Schmerzen zu lindern. Das half mir und er massierte mich in den kommenden Stunden oft mit der Hand oder einem Igelball. Außerdem versorgte er mich immer zwischen den Wehen mit Wasser. Wenn ich im Bett lag, hielten Ines und Nick mir während der Wehen jeweils eine Wärmflasche vorne und hinten ans Becken, weil auch das guttat. Die folgenden Stunden verbrachte ich abwechselnd im Bett, an der Sprossenwand und später nochmal in der Wanne. Manchmal schlug Ines mir einen Positionswechsel vor und die ganze Zeit konnte ich mir intuitiv die für den Moment beste Position aussuchen. Das fühlte sich richtig und selbstbestimmt an. Ines half mir beim Veratmen der Wehen, indem sie mit mir tönte und mir zeigte, wie ich mich trotz der Schmerzen in den Wehenpausen mehr entspannen und Kräfte sparen konnte.

Gegen 00:30 Uhr war ich an einem Tiefpunkt. Ich empfand die Wehen trotz allem als sehr schmerzhaft und mir war bewusst, dass es keine stärkeren Möglichkeiten zur Schmerzlinderung gab. Hätte ich eine PDA herzaubern können, ich hätte es getan. Verlegt werden wollte ich aber auf keinen Fall. Ich habe mich im Geburtshaus bei Ines perfekt aufgehoben gefühlt. Ines hat sich optimal auf mich eingestellt, indem wir uns gemeinsam durch die Wehen hangelten. Wir setzten uns Zwischenziele, z. B. „noch 3 Wehen in der Position und dann geh ich nochmal auf die Toilette“ oder „noch eine Wehe und dann untersuchen wir wieder“. Die nächste Untersuchung ergab 6-7 cm Muttermundsöffnung. Die Zuversicht ist dadurch wieder mehr zurückgekehrt. Die Einstellung „hilft ja nichts“ trifft am besten, wie ich mich innerlich motivierte.

Kurz nach 4:00 Uhr spürte ich Pressdrang bei den Wehen. Das empfand ich als gruselig, weil die Wehen weiterhin schmerzten und mein Körper mehr die Kontrolle übernahm als zuvor. Wir waren jetzt bei 9 cm. Ich wechselte mit Nick auf die Yogamatte, er auf dem Gymnastikball vor mir, ich mal im Hirtenstand, mal im Vierfüßlerstand. Ich hatte meine Arme um Nick und presste bei den Wehen mit, obwohl mir das neue Gefühl immer noch nicht geheuer war. Hier platzte die Fruchtblase. Ines fing ungefähr jetzt an, mir warme Kompressen an den Damm zu halten. Außerdem rief sie Paula dazu. Später im Bett bot Ines mir an, selbst nach dem Köpfchen zu tasten. Ich konnte tatsächlich etwas spüren. Ich hatte mir im Vorhinein gewünscht, dass es eine Wassergeburt wird und wollte deshalb wieder in die Wanne. Auf dem Weg ins Bad fühlte sich der Kopf unseres Babys schon sehr tief an.

Gute 10 min später in der Wanne, um 6:23 Uhr, kam unser Sohns auf die Welt. Das brannte für ein paar Momente ganz ordentlich. Meine liebste Erinnerung an die Geburt ist, wie ich mir unseren Jonathan selbst aus dem Wasser holte und mir auf die Brust legte. Nick saß auf einem Hocker schräg vor mir und war sehr gerührt. Ich war erstmal perplex, dass bei der ganzen Sache ein Baby herauskam, weil ich durch die Schmerzen in den Wehen, die ich immer wieder als wirklich grenzwertig empfunden hatte, ganz vergessen hatte, wo das Ganze eigentlich hinführt. Jonathan ging es sehr gut. Auf meinen Vorschlag wechselten wir nach ein paar Minuten von der Wanne ins Bett, wobei ich unseren Sohn im Arm behielt. Dort suchte er sich seinen Weg zur Brust und trank auch gleich. Nick lag neben uns. Wir genossen unsere erste Zeit zu dritt und Ines und Paula ließen uns dafür eine Weile allein. Ich spürte ein mäßig starkes Brennen und vermutete, dass ich Geburtsverletzungen erlitten hatte.

Bisher war alles super verlaufen, aber dann kam die Plazenta nicht. Um ca. 7:45 Uhr hatte ich unter Anleitung und Hilfe von Paula und Ines zweimal erfolglos versucht auf dem Gebärhocker die Plazenta zu gebären. Das Aufsetzen im Bett fühlte sich jedes Mal im Beckenboden sehr unangenehm an. Jonathan nabelten wir ab und er konnte jetzt mit Nick weiterkuscheln. Weitere Versuche mit Akupunktur und Oxytozin waren leider auch ohne Erfolg. Daher wurde um 8:30 Uhr die Entscheidung für eine Ruheverlegung ins Uniklinikum getroffen. Paula und Ines strahlten dabei viel Ruhe aus, erklärten uns, was als nächstes passierten würde und informierten den Kreissaal in der Uniklinik und den Rettungsdienst. Nick ist sich sicher, dass der Rettungswagen keine 2 min nachdem Ines zurück ins Zimmer kam unter an der Straße stand. Ich empfand die Entscheidung, verlegt werden zu müssen nicht als emotional belastend. Jonathan und ich hatten Zeit für das Bonding gehabt und er hatte auch bereits getrunken. Außerdem wusste ich ihn bei Nick und den beiden Hebammen in guten Händen und ich konnte mich noch an das Aufklärungsgespräch mit Yvonne erinnern, bei dem das Szenario vorab durchgesprochen worden war. Während der Rettungswagen mich mitnahm, machte Ines die U1 und Paula half Nick unsere Sachen zu packen und fuhr mit ihm und Jonathan hinterher. Eine halbe Stunde nach mir waren sie auch schon da.

Im Krankenhaus wurde ich an zwei Hebammen übergeben. Über den venösen Zugang wurde mir nochmal Oxytozin verabreicht. Ich war zu diesem Zeitpunkt mit meiner Schmerztoleranz am Ende, ich hätte eine OP einer weiteren Wehe vorgezogen. Bis ich das artikuliert hatte, war das Oxytozin zum Glück schon verabreicht, denn anschließend hatte ich eine starke Wehe, presste mit und die Plazenta war da. Anschließend bat ich um ein Schmerzmittel. Ab dann waren die Schmerzen kaum noch spürbar und ich konnte mich endlich entspannen. Eine Untersuchung auf Geburtsverletzungen ergab, dass ich zum Glück nur zwei Kleine hatte, die nicht behandelt werden mussten. Nach der Untersuchung kamen Nick, Jonathan und Paula bei mir an. Paula überzeugte sich davon, dass es mir gut ging und verabschiedete sich. Wir blieben noch ungefähr 4h in der Klinik bis mein Kreislauf stabil war und die regelmäßigen Untersuchungen ergaben, dass die Gebärmutter sich zurückbildete. Um ca. 15:00 Uhr wurden wir auf eigenen Wunsch entlassen und konnten erschöpft, aber zufrieden zuhause ins Wochenbett starten.

Die Geburt von Jonathan war für mich ein selbstbestimmtes und kraftvolles Erlebnis, an dass ich mich trotz der Schmerzen gerne zurückerinnere. Auch die Verlegung in die Uniklinik haben dieses Gefühl nicht geschmälert. Laut Ines ging die Geburt eher flott und schritt kontinuierlich voran. Trotzdem bin ich sicher, dass ich mich in einer Klinik nach kurzer Zeit für eine PDA entschieden hätte. Durch die einfühlsame und umfassende Begleitung durch Ines vom Eintreffen im Geburtshaus bis zur Geburt, war das nicht nötig. So konnte ich mich frei bewegen und am Ende eine Wassergeburt erleben. Ich habe mich zu jedem Zeitpunkt sicher und wohl gefühlt, sodass ich die Nacht für meine Bedürfnisse passend gestalten und meistern konnte.

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