Geburtsbericht

09.07.2026

Schon während der Schwangerschaft wurde mir das Geburtshaus Ulm von meiner Wochenbetthebamme empfohlen. Als ich mich mit dem Konzept beschäftigte, sprach es mich sofort an. Der Gedanke, einen anderen Weg als den klassischen Krankenhausweg zu gehen, fühlte sich von Anfang an richtig an. Eine selbstbestimmte Geburt, eine ruhige und vertrauensvolle Atmosphäre sowie die intensive Betreuung durch Hebammen – genau das wünschte ich mir für die Geburt unseres ersten Kindes.

In meinem Umfeld stieß diese Entscheidung allerdings zunächst auf Skepsis. Die meisten kannten Geburten ausschließlich aus dem Krankenhaus und konnten sich kaum vorstellen, dass ich als Erstgebärende bewusst einen anderen Weg wählen würde. Auch ich hatte Fragen und Unsicherheiten. Doch bereits beim Aufnahmegespräch mit Paula verschwanden meine Zweifel sehr schnell. Ich spürte sofort: Das ist der richtige Ort für uns. Mein Mann unterstützte mich von Anfang an vollkommen in dieser Entscheidung, was mir viel Sicherheit gab.

Während der Schwangerschaft nahm ich an einer hypnomentalen Geburtsvorbereitung teil. Dadurch konnte ich der Geburt mit Gelassenheit entgegensehen. Natürlich hatte ich Respekt vor dem, was kommen würde, aber keine Angst. Gut war auch, dass der Kurs in den Räumlichkeiten stattfand und das Geburtshaus dadurch vertrauter für uns wurde.

Am frühen Morgen vom 22. Juni wurde ich gegen 0:30 Uhr wach, weil ich das Gefühl hatte, Fruchtwasser verloren zu haben. Im Laufe der Nacht kamen weitere Geburtsanzeichen hinzu: Der Schleimpfropf löste sich, ich bemerkte eine Zeichnungsblutung und immer wieder traten Schmerzen auf. Allerdings wusste ich nicht, ob es sich tatsächlich schon um Geburtswehen oder doch nur um Senkwehen handelte. Meinen Mann ließ ich zunächst weiterschlafen. Mir war wichtig, dass er ausgeruht blieb und einen klaren Kopf behalten konnte.

Erst gegen fünf Uhr morgens weckte ich ihn und sagte ihm, dass wir gleich früh die Rufbereitschaft informieren sollten. Bei meinem ohnehin vereinbarten Vorsorgetermin am selben Tag bestätigte sich schließlich mein Verdacht: Tatsächlich hatte ich Fruchtwasser verloren und alle Anzeichen standen auf Geburt. Wir freuten uns sehr darüber. Die letzten Tage waren drückend heiß gewesen und die Schwangerschaft war inzwischen sehr beschwerlich geworden. Gleichzeitig war die Vorfreude darauf, unseren Sohn endlich kennenzulernen, riesig. Nach dem Termin fuhren wir zunächst wieder nach Hause und mein Mann arbeitete im Homeoffice weiter. Gegen Mittag ging es mir jedoch zunehmend schlechter. Die Schmerzen wurden stärker und kamen immer wieder. Ich hätte sie am ehesten als ein starkes Drücken auf den Darm beschrieben. Essen konnte ich nicht mehr, liegen ebenfalls nicht. Gleichzeitig war ich unglaublich verunsichert, ob das überhaupt Wehen sein können, weil ich sie mir an einer ganz anderen Stelle vorgestellt hatte.

Deshalb riefen wir schließlich bei der Rufbereitschaft an. Kerstin hörte sich alles in Ruhe an und ermutigte uns, zunächst ein warmes Bad zu nehmen und mich von meinem Mann massieren zu lassen. Genau das machten wir auch. Doch die Schmerzen wurden immer intensiver und langsam machte sich Verzweiflung breit. Immer wieder fragte ich mich, wie ich eine Geburt schaffen sollte, wenn ich schon diese Schmerzen kaum aushielt – vor allem, weil ich noch nicht einmal wusste, ob es überhaupt Wehen waren. Außerdem hatte ich das Gefühl, überhaupt keine richtigen Pausen mehr zu haben.

Schließlich entschied mein Mann, dass wir jetzt Hilfe brauchten und ins Geburtshaus fahren sollten. Kerstin sagte, sie könne in etwa einer halben Stunde dort sein und bot sogar an, mich bereits während der Autofahrt telefonisch zu begleiten. Allein dieses Angebot gab mir unglaublich viel Sicherheit. Die etwa 30-minütige Autofahrt zog sich aufgrund einer Umleitung gefühlt ewig hin. Immer wieder überrollten mich die Schmerzen. Doch als wir schließlich im Geburtshaus ankamen, wurde ich sofort von Kerstin in aller Ruhe empfangen. Das rote Geburtszimmer hatte sie liebevoll vorbereitet und sofort fühlte ich mich angekommen. Die Schmerzen kamen weiterhin unkontrolliert über mich, doch diesmal war etwas anders: Ich war voller Zuversicht. Kerstin fing mich unmittelbar auf, nahm mir meine Angst und half mir dabei, den Schmerz „in den Boden abzugeben“. Allein durch ihre ruhige Art wurden die Wehen für mich deutlich besser auszuhalten. Trotzdem beschäftigte mich immer noch dieselbe Frage: Sind das wirklich Wehen?

Schon in diesem Moment wurde mir etwas ganz Wichtiges bewusst. Die Scham, möglicherweise zu früh angerufen oder zu früh ins Geburtshaus gefahren zu sein, war völlig unbegründet. Ich wurde vom ersten Moment an ernst genommen. Mir begegnete niemand mit Zweifel oder Ungeduld – stattdessen ausschließlich mit Respekt, Verständnis und Offenheit. Kerstin fragte mich, ob sie meinen Muttermund untersuchen dürfe. Ich willigte ein. Dann kam die große Überraschung: Es waren tatsächlich Geburtswehen – und mein Muttermund war bereits sechs Zentimeter geöffnet.

Das war mein persönlicher Wendepunkt. Von diesem Moment an wusste ich: Ich hatte bereits einen großen Teil geschafft. Dieses Wissen gab mir unheimlich viel Kraft und Vertrauen. Die Wehen wurden nun immer intensiver. Kurz darauf platzte die Fruchtblase und Kerstin bereitete die Badewanne vor. Das warme Wasser tat mir unglaublich gut und ich verbrachte dort eine lange Zeit. Mein Mann und Kerstin begleiteten mich währenddessen liebevoll und halfen mir immer wieder dabei, die Wellen möglichst entspannt zu veratmen. In den Wehenpausen wurden regelmäßig die Herztöne unseres Sohnes kontrolliert. Zu hören, dass es ihm jederzeit gut ging, gab uns beiden zusätzliche Sicherheit.

Um 20 Uhr war Schichtwechsel und Verena übernahm die Betreuung von Kerstin. Auch sie brachte sofort dieselbe Ruhe und Gelassenheit mit in den Geburtsverlauf. Kurz darauf kam Ines als zweite Hebamme dazu. Gemeinsam bildeten die beiden ein unglaublich eingespieltes Team. Sie waren großartige Mutmacherinnen, arbeiteten hochprofessionell, schlugen immer wieder neue Positionen vor und halfen mir, Entscheidungen zu treffen, wenn ich selbst gar nicht mehr wusste, was ich in diesem Moment brauchte.

Gegen Ende erinnerte mich mein Mann an meinen Wunsch einer Wassergeburt. Deshalb durfte ich noch einmal in die Badewanne. Die Austreibungsphase war intensiv und fordernd, doch immer wieder erinnerten mich alle daran, wie kraftvoll mein Körper arbeitete und dass ich das schaffen würde. Dieses Vertrauen, das sie in mich hatten, übertrug sich auf mich selbst. Gleichzeitig blieben die Herztöne unseres Sohnes die gesamte Geburt über ruhig und unauffällig, was mich zusätzlich beruhigte.

Um 23:30 Uhr war es schließlich so weit. Mit der letzten Wehe glitt unser Sohn ins Wasser und erblickte das Licht der Welt. Der Moment, als ich ihm zum ersten Mal in die Augen schaute, ist mit Worten kaum zu beschreiben. Sein Blick war so intensiv und ich war in diesem Augenblick einfach nur erfüllt von unendlicher Liebe. Mein Mann und ich waren überglücklich. Endlich waren wir zu dritt. Endlich waren wir eine kleine Familie. In diesem Moment wusste ich ganz sicher: Es war genau der richtige Ort. Mit genau den richtigen Menschen. Ich fühlte mich jederzeit umsorgt und gleichzeitig vollkommen selbstbestimmt. Unser Sohn wurde uns nicht weggenommen. Stattdessen durften wir uns als Familie gemeinsam ins Bett kuscheln und erst einmal ganz in Ruhe ankommen. Wir hatten Zeit nur für uns drei und auch mein Mann konnte ganz in Ruhe bonden. Es war ein unbeschreiblich schöner und unvergesslicher Moment.

Anschließend wurde die Plazenta geboren und meine Geburtsverletzung wurde mit großer Professionalität und gleichzeitig unglaublich viel Einfühlungsvermögen versorgt. Danach wurden noch der Fußabdruck unseres Sohnes gemacht und die U1 durchgeführt. Und schon kurze Zeit später durften wir gemeinsam nach Hause fahren.

Rückblickend bin ich unendlich dankbar für diese Geburt. Liebe Kerstin, liebe Verena und liebe Ines – von Herzen danke für eure liebevolle, empathische und hochprofessionelle Begleitung. Zu keinem einzigen Zeitpunkt hatte ich Angst oder das Gefühl, dass ihr eine Situation nicht händeln könntet. Ganz im Gegenteil: Ihr habt mich jederzeit in meiner eigenen Kraft bestärkt und mir das Vertrauen gegeben, dass mein Körper genau weiß, was er tut. Diese positive Geburtserfahrung begleitet uns bis heute. Sie zeigt sich für mich auch darin, wie zufrieden und ausgeglichen unser Sohn ist. Natürlich prägen viele Faktoren ein Baby – aber ich bin überzeugt, dass dieser ruhige, selbstbestimmte und liebevoll begleitete Start ins Leben für uns alle etwas ganz Besonderes war.

Ich würde mich jederzeit wieder für eine Geburt im Geburtshaus Ulm entscheiden und kann es aus tiefstem Herzen jeder werdenden Familie empfehlen.

 

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