Geburtsbericht | Kathi und Rolf

21.05.2026

Für den Bericht der Geburt meines ersten Kindes möchte ich einige Tage vor der tatsächlichen Geburt starten.

Während der Schwangerschaft nahm ich viele Vorsorgen im Geburtshaus wahr. Dabei konnte ich/wir alle Hebammen, aber auch die Räumlichkeiten kennenlernen. Mit fortschreitender Schwangerschaft gab mir dieses bekannte Umfeld Sicherheit. Außerdem wurde der Wunsch, in dieser angenehmen Atmosphäre des Geburtshauses zu gebären immer größer, was den Geburtsbeginn innerhalb des Geburtszeitraumes voraussetzte. Bisher verlief die Schwangerschaft komplikationslos.

Schon vor Beginn des Geburtszeitraumes war alles bereit und die Taschen gepackt, es hätte nur noch losgehen müssen. Allerdings tat sich nichts, ich spürte kaum Übungswehen, und auch sonst keine Anzeichen in Richtung Geburt. Der ET rückte näher und verstrich. Trotz ausbleibender Wehen ermutigte mich Ines (unsere Bezugshebamme) und blieb zuversichtlich. Die Aussage, dass die Hebammen im Geburtshaus mit uns bis ET +14 abwarten können beruhigte mich im ersten Moment. Allerdings gab es an ET+8 immer noch keine Anzeichen und ich wurde ungeduldiger, da der Wunsch im Geburtshaus zu gebären sehr groß war. Ich versuchte einiges: Ananas und Zimt essen, Treppensteigen, große Spaziergänge, heiß baden, Bauchmassagen mit Utöl… doch es tat sich nichts. Die Eipollösung, die mir Ines angeboten hatte lies mich neue Hoffnung schöpfen – aber wieder keine Wehen, jedoch ein sehr weicher Muttermund.

An ET+10 stellte ich mich dann in der Uniklinik vor. Hier wurde nochmals alles untersucht um sicher zu sein, dass alles in Ordnung ist und so war es auch. Mit Erleichterung verließen wir die Klinik. Trotz sehr freundlichem Personal, die Ruhe ausstrahlten, hofften wir immer noch im kleinen, ruhigen Geburtshaus gebären zu dürfen und klammerten uns an die verbleibenden vier Tage. Ich wusste, dass in der kommenden Nacht Vollmond ist und hatte die Hoffnung, dass dieser vielleicht zum Start der Geburt beiträgt.

Kurz nach Mitternacht (ET+11), tatsächlich in der Vollmondnacht, wachte ich nach ca. einer Stunde Schlaf um 00:19 Uhr auf. Mich weckte ein Körpergefühl von Spannung und Ziehen im Bauch und gleichzeitig im unteren Rücken, was mich gleich wissen lies, es geht los! Obwohl ich nie richtige Übungswehen wahrgenommen hatte war ich zweifellos überzeugt, dass es soweit ist. Schmerzhaft waren die ersten Wehen für mich nicht. Mein Mann Rolf schlief weiterhin neben mir. Ich drehte mich für jede Wehe in den Vierfüßler.

Bereits um 1:00 Uhr kamen die Wehen in regelmäßigen Abständen von 10 Minuten. Ich atmete leise und konzentrierte mich darauf alle Muskeln, vor allem den Beckenboden zu entspannen. Zwischendurch entleerte sich mein Darm.
Die Wehen kamen häufiger und wurden etwas intensiver. Es fühlte sich nach einer Mischung zwischen Unterleibsschmerzen und Rückenschmerzen an. Allerdings ging es mir zu jedem Zeitpunkt während der Geburt gut (ein von mir vorher vermutetes Unwohlsein durch die Geburtsschmerzen blieb aus). Die Wehen kamen wellenartig. Sie waren sehr leicht zu spüren, bauten sich auf und danach wieder langsam ab. Ich konzentrierte mich auf die Atmung. Langsames tiefes Einatmen und Ausatmen.

Gegen 2:30 Uhr kamen die Wehen bereits alle 5 Minuten – für mich total aushaltbar. Mittlerweile war Rolf wach. An Schlaf war nicht mehr zu denken, aber wir nutzten die Zeit um uns zu entspannen. Ich konzentrierte mich, während der Wehen alle Muskeln zu entspannen. Zusätzlich versuchte ich mir immer wieder bildlich vorzustellen, wie sich der Muttermund öffnet. Gegen 4:00 Uhr kamen die Wehen alle 2 bis 3 Minuten. Ich bat Rolf darum, mir während den Wehen gegen den unteren Rücken zu drücken. Außerdem fühlte es sich von Zeit zu Zeit besser an, beim Ausatmen leise auf a zu tönen. Richtung 6:00 Uhr rief mein Mann im Geburtshaus an und besprach mit Verena, dass wir uns langsam auf den Weg machen und uns ca. in 1 oder 1,5 Stunden im Geburtshaus treffen. Im Geburtshaus angekommen empfing uns Verena – sie hatte alles vorbereitet. Der Raum war abgedunkelt. Die Kerzen und Lichterketten sorgten für eine gemütliche Atmosphäre.

Die Wehen, die kurz vor der Abfahrt im Minutentakt kamen hatten wieder abgenommen und kamen jetzt wieder alle 2 bis 3 Minuten. Ich kniete zuerst auf dem Bett im Geburtshaus und verarbeitete so die Wehen. Verena erkundigte sich nach meinem Wohlbefinden und wollte wissen, wie oft die Wehen kommen. Sie entschied, uns alleine zu lassen und zog sich rufbereit ins Büro zurück.
Zwischendurch testete ich den Geburtskamm, der für mich keinen Unterschied machte. An zwei Punkten im unteren Rücken brachte Verena und Rolf die Kleber des TENS-Gerätes an. Ich weiß nicht, wie viel mir das TENS-Gerät geholfen hat, aber das Wissen, Erleichterung zu schaffen, gefiel mir.

Zwischendurch kniete ich auf dem Boden und stützte mich mit dem Oberkörper auf dem Bett oder dem Ball ab. Nach einiger Zeit legte ich mich dann ins Bett – auf die Seite. Rolf massierte weiterhin meinen Rücken während den Wehen, die langsam intensiv, anstrengend und sich eher unangenehm aber aushaltbar anfühlten. Wir waren sehr dankbar darum, diese Zeit zu zweit genießen zu dürfen und hatten uns sehr gut eingespielt. Verena war immer mal wieder im Raum und hat nach uns geschaut. Dies gab mir Sicherheit.

Immer wieder in den Wehenpausen begann zuerst mein Bein, später mein ganzer Körper zu zittern. Kalt war mir nicht, vermutlich war dies ein Anzeichen davon, dass mein Körper schon harte Arbeit geleistet hatte und nach und nach die Erschöpfung kommt. Ca. gegen 11:30 Uhr kam die nächste Wehe, klang etwas ab und machte eine Art Kurve zurück. Die Wehe nahm erneut, ohne abzuklingen an Intensität zu. Zusätzlich änderte sich mein Körpergefühl. Allerdings war ich mir nicht sicher, ob das ein Pressdrang war. Dieses Körpergefühl lies mich stutzig werden und verunsicherte mich kurz. Ich bat Rolf Verena zu holen. Ihre Anwesenheit beruhigte mich sofort. Sie untersuchte mich und teilte uns mit, dass mein Muttermund ca.9 cm geöffnet ist und ich pressen kann wenn ich möchte.

Ich äußerte den Wunsch, dass ich jetzt in die Badewanne möchte. Verena ließ das Wasser ein und wir entfernten das TENS-Gerät. Gegen 12:00 Uhr stieg ich dann in die Badewanne. Jetzt kam das Gefühl, pressen zu müssen immer deutlicher. Während jeder Wehe richtete ich mich nach vorne auf und kniete dann in der Wanne. Dabei umgriff ich immer wieder die Hand meines Mannes der neben der Wanne saß.

Mittlerweile war auch eine Hebammenstudentin im Raum. Sie horchte immer wieder bis zur Geburt nach den Herztönen unseres Babys. Auch Yvonne kam als zweite Hebamme dazu. Das Körpergefühl zu pressen war sehr übermannend und nicht zu umgehen – ähnlich wie beim Übergeben – kaum steuerbar. Ich versuchte mich dem Drang hinzugeben, hatte aber Schwierigkeiten dabei passend zu atmen. Verena gab mir Tipps und half mir so wieder in eine Atmung zu finden, die sich stimmig anfühlte. Schmerzen empfand ich während der Presswehen keine, nur ein enormer Druck nach unten.

Immer mal wieder versuchte ich das Köpfchen zu fühlen. Allerdings erklärte mir Verena, dass noch die Fruchtblase davor ist und das Köpfchen deshalb schwer zu tasten ist. Während der nächsten Wehen platzte die Fruchtblase (erst ca. 15 min vor Geburt). Wieder fühlte ich und war total fasziniert vom weichen Köpfchen, mit ganz vielen Haaren. Nach und nach merkte ich wie sich der Kopf nach unten schob. Nochmal kam eine Presswehe. Mein Körper presste gefühlt von alleine. Der Körper unseres Babys kam in der selben Wehe wie das Köpfchen um 13:26 Uhr zur Welt. Verena fing unser Kind auf – das sofort schrie. Wir waren total überwältigt.

Verena legte mir unser Kind in die Arme. Jetzt erfuhren wir, dass wir einen Sohn bekommen haben – wir ließen uns nämlich überraschen. Mit Unterstützung stieg ich mit unserem Sohn im Arm aus der Wanne und wir machten uns auf den Weg in den Geburtsraum nebenan. Im Bett angekommen wurden wir erst einmal zugedeckt und durften kuscheln. Wir durften die nächste halbe Stunde gemeinsam genießen. Nach dem Abnabeln kuschelte Rolf mit unserem Sohn weiter. Ich begab mich in die tiefe Hocke um die Plazenta zu gebären. Anschließend wurde mein Dammriss 2. Grades sorgfältig von Verena genäht. Bevor die U1 stattfand konnten wir noch einige Zeit kuscheln. Bereits gute 4 Stunden nach der Geburt konnten wir uns auf den Weg nach Hause machen.

Die Geburt dauerte ca. 13 Stunden – fühlte sich für mich aber viel kürzer an. Mir war zu keinem Zeitpunkt der Geburt der Fortschritt bewusst. Noch während der letzten Wehe war mit nicht klar, dass unser Kind in wenigen Sekunden geboren wird. Außerdem empfand ich die Wehen teilweise als sehr anstrengend und unangenehm, allerdings habe ich mir stärkere Schmerzen vorgestellt.

Ich bin so unendlich glücklich, dass wir eine so schöne Geburt im Geburtshaus Ulm erleben durften. Es war einfach wunderschön, selbstbestimmt und respektvoll. Jederzeit wurden all meine Wünsche oder Bitten erhört und sofort, ohne Diskussion umgesetzt. Wir durften unsere Geburt einfach selbst entscheiden und das fühlt sich noch heute sehr wertvoll an.
Verena hatte ein sehr gutes Gespür für uns und so schnell bemerkt, wie gut sich mein Mann und ich eingespielt haben. Wir genossen die letzten Momente der Zweisamkeit, während Verena nebenan rufbereit war.  Mit viel Zeit und Vertrauen in die Natur und dabei zu Wissen, Verena ist jederzeit da, falls wir sie gebraucht hätten.

Es gelingt uns kaum, in Worte zu formulieren, wie viel uns die Arbeit der Hebammen bedeutet hat. Egal ob Vorsorge, Geburt oder Wochenbett – alle Hebammen begegneten uns durchgehend liebevoll, mit viel Zeit, Empathie und Respekt.

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