Für mich als erstmalig Schwangere stand von Anfang an fest, dass ich ein Geburtshaus sowohl für die Geburt als auch die Vorsorge favorisiere. Kurz nach dem positiven Test habe ich mich dann über die Homepage im Geburtshaus Ulm gemeldet und mein Mann und ich haben mit Ines ein Kennenlernen vereinbart. Wir waren uns direkt sympathisch und obendrein sind die Räume so wunderschön, warm und einladend. Es stand also schnell fest, das alles gut passt. Während der Vorsorge und den weiteren Terminen habe ich über die Monate hinweg alle Hebammen kennenlernen dürfen und jeder Termin war immer eine Bereicherung. Alle im Team sind einfühlsam auf Fragen eingegangen und haben sich viel Zeit genommen. Obwohl im Geburtshaus Ulm kein Ultraschall möglich ist und man sein Baby nicht sehen kann, habe ich mich auf die Termine dort immer viel mehr gefreut als bei meiner Gyn.
Am Tag der Geburt (einen Tag vor ET) ging es morgens gegen 7 Uhr daheim mit den Wehen los. Ich habe mich im abgedunkelten Schlafzimmer entspannt, während mein Mann noch im Homeoffice gearbeitet hat und immer mal wieder nach mir gesehen hat. Unsere Vorfreude aber auch die Angst nahmen über den Tag immer mal wieder zu und ab. Gegen 17 Uhr haben wir entschlossen bei der Rufbereitschaftsnummer anzurufen. Die Wehen wurden zunehmend stärker und die Abstände kürzer. Als Erstgebärende war ich verunsichert, ab wann man nun los sollte, dass es weder zu früh noch zu spät ist. Paula hatte Rufbereitschaft und hat uns angeboten, dass wir natürlich vorbeikommen können, wenn uns das Sicherheit gibt. Dazu haben wir uns dann entschlossen. Die 20-minütige Autofahrt war nicht so schön. Dann zu erfahren, dass ich erst bei 2-3cm war und auch nochmal nach Hause gehen kann, hat mich zuerst ziemlich enttäuscht. Daheim haben wir die Wehen so in gewohnter Umgebung zusammen weiter veratmen können und sie wurden immer intensiver. Ich wollte auf keinen Fall nochmal zu früh hinfahren.
Irgendwann hat mein Mann dann entschieden die Rufbereitschaftsnummer nochmal anzurufen und krankheitsbedingt war „unsere“ Ines dann plötzlich in der Rufbereitschaft und wir haben uns so sehr gefreut. Was für ein schöner Zufall, nachdem sie uns bisher hauptsächlich begleitet hat und auch im Wochenbett begleiten würde. Gegen 21:30 Uhr sind wir also erneut im Geburtshaus angekommen und der Raum war mit schönem Licht vorbereitet und Ines und der Raum strahlten so eine angenehme Ruhe aus. Nach einer kurzen Untersuchung stand fest, dass mein Muttermund bereits 10cm geöffnet war. Also bin ich ab in die Wanne – ich hatte mir immer eine Wassergeburt gewünscht. Kurze Zeit später kamen Yvonne und eine Hebammenstudentin noch dazu. Ich wurde von den Dreien großartig begleitet. Alles, was sie sagten und taten, war so einfühlsam, ruhig, gelassen und die Untersuchungen der Herztöne kaum merkbar, dass ich gänzlich in meiner eigenen Welt versinken und meinen Körper arbeiten lassen konnte. Yvonne und Ines haben ihre ganze Kraft eingesetzt und während den Wehen Gegendruck erzeugt, das tat mir sehr gut. (was für ein Kraftakt der Beruf sein kann, wow!) So war ich umsorgt von meinem Mann und konnte mich treiben lassen. Unser Baby kam kurze Zeit später um 23:14 Uhr im Wasser zur Welt. Es wurde mir auf die Brust gelegt und nach kurzer Zeit hat mein Mann ganz aufgeregt gefragt, was es denn nun sei. Ich war so überwältigt, dass ich an das Geschlecht gar nicht mehr dachte. Ein Mädchen, unser Mädchen, unsere Tochter – wie wir es schon ahnten! Wir sind gemeinsam aufgestanden, haben uns nebenan ins Bett gelegt und konnten ganz in Ruhe staunen und genießen. Unser Baby lag die ganze Zeit auf meiner Brust während ich noch untersucht wurde. Es fühlte sich ganz beiläufig und zurückhaltend an und wir konnten ununterbrochen kuscheln. In dieser Nacht wollten sich noch einige Babys auf den Weg machen, weswegen es für Ines und Yvonne im Hintergrund vermutlich stressig war, sie haben sich bei uns aber nichts anmerken lassen. Wir haben nach dem ersten Anlegen und der Kuschelzeit den Raum gewechselt, um der nächsten Gebärenden Platz zu machen. Wir waren dann im Geburtshaus und konnten entspannen. Im frisch geputzten Raum nebenan wollte ein weiteres Baby das Licht der Welt erblicken. 3,5 Stunden nach Geburt sind wir dann glücklich und müde nach Hause gefahren. Was für ein einmaliges Erlebnis!
Während ich das schreibe liege ich neben meiner schlafenden Tochter und es ist so schön, dass alles nach 7 Monaten nochmal Revue passieren zu lassen.

