Bei der Geburt unserer ersten Tochter vor fünf Jahren gab es in Ulm noch kein Geburtshaus – etwas, das ich damals sehr bedauerte. Deshalb war für mich in meiner zweiten Schwangerschaft schnell klar: Dieses Mal möchte ich unser Kind im Geburtshaus Ulm zur Welt bringen.
Schon während der Vorsorge fühlte ich mich jederzeit willkommen, gesehen und bestens umsorgt. Die Räumlichkeiten sind so liebevoll gestaltet, dass ich mir sicher war, mich dort auch unter der Geburt rundum wohlfühlen zu können.
An ET+2 wachte ich gegen halb vier morgens mit den ersten leichten Wehen auf. Den ganzen Tag über hatte ich regelmäßige, aber noch leichte Wehen im Abstand von etwa 15 bis 20 Minuten, die nur langsam an Intensität zunahmen. Deshalb erledigten wir noch einige Dinge, gingen einkaufen und fuhren sogar noch in den Baumarkt. Rückblickend denke ich, dass diese Ablenkung mir richtig gutgetan hat.
Am Nachmittag musste ich die Wehen dann schon sichtbarer verarbeiten und wir entschieden uns unsere große Tochter zur Übernachtung zur Oma zu bringen. Als mein Mann mit ihr gegen 17 Uhr los fuhr merkte ich, dass ich innerlich loslassen konnte und die Geburt nun Fahrt aufnahm. Gegen 20 Uhr kamen die Wehen etwa alle 5 Minuten, sodass ich zum ersten Mal die diensthabende Hebamme anrief. Sie war sich sicher, dass wir noch etwas Zeit hätten, und wir vereinbarten, dass ich mich später noch einmal melde.
Etwas enttäuscht ging ich zu meinem Mann ins Wohnzimmer und bat ihn um eine Rückenmassage. Ich legte mich aufs Sofa, und kurze Zeit später platzte meine Fruchtblase. Ab diesem Moment fühlte ich mich unglaublich gelöst. Jetzt war klar: Die Geburt hatte wirklich begonnen und schon bald würden wir unser Baby im Arm halten. Gleichzeitig wurden die Wehen deutlich kräftiger. Die Geburtsatmung, die ich im Vorfeld geübt hatte, half mir sehr dabei, die Wehen gut zu verarbeiten.
Ich verarbeitete weiter die Wehen, bis ich gegen 21:45 Uhr einen starken Druck nach unten spürte. Ich hatte plötzlich das Bedürfnis mitzuschieben und sagte meinem Mann: „Wir müssen jetzt sofort los!“ Zum Glück hatten wir es nicht weit. Gegen 22 Uhr kamen wir im Geburtshaus an. Ich wurde herzlich empfangen, und die Hebamme erkannte sofort, dass ich bereits Presswehen hatte. Sie führte mich ins Geburtszimmer, half mir meiner Jacke und Hose und ermutigte mich direkt, kräftig mitzuschieben.
In den nächsten zwei Stunden kämpfte ich leider noch mit einer Muttermundslippe, die verhinderte, dass unsere Tochter geboren werden konnte. Ich probierte verschiedene Geburtspositionen aus, und die Hebammen bestärkten und unterstützten mich dabei jederzeit – vor allem in den Momenten, in denen ich das Gefühl hatte, keine Kraft mehr zu haben.
Kurz vor Mitternacht wurde unsere Tochter schließlich geboren. Direkt danach kuschelten wir uns gemeinsam ins Bett. Nachdem auch die Plazenta geboren war, bekamen wir noch einen warmen Tee ans Bett und wurden eine Zeit lang allein gelassen, damit wir uns ausruhen und uns als Familie kennenlernen konnten. Gegen vier Uhr morgens fuhren wir dann – erschöpft, aber glücklich – nach Hause.
Die Geburt unserer zweiten Tochter fand zum Großteil zuhause statt, was sich für mich unglaublich schön und vertraut angefühlt hat. Und für die letzte Phase hätte ich mir keinen besseren Ort wünschen können als das Geburtshaus. Ich habe mich dort jederzeit sicher, getragen und liebevoll begleitet gefühlt.
Für diese wundervolle Erfahrung bin ich von Herzen dankbar.

